Altlasten in der Ostsee
Einmal jährlich, so ungefähr dann, wenn die Wasserqualitäten an den Ostseebadestränden veröffentlich werden, kommt auch immer wieder die Frage auf, ob Altlasten aus der sozialistischen Ära oder aus dem zweiten Weltkrieg Einfluss auf die Qualität des Wassers an den Ostseebadestränden haben und ob es sogar zu gesundheitlichen Gefährdungen kommen kann.
Dazu findet man im Internet die unterschiedlichsten Meinungen, die teilweise unvereinbar gegenüberstehen.
Was könnte Gefährdungen auf Usedom auslösen?
Zunächst einmal muss man wissen, das von 1936 bis 1945 im Inselnorden, genauer im Bereich Peenemünde, die Heeresversuchsanstalt, mit der Aufgabe der Durchführung von Raketentests betraut, lag. Diese militärische Einrichtung versuchten die Briten durch Bombardierungen im Jahr 1943 zu zerstören. Der Bombenteppich verfehlte jedoch die Versuchsanstalt um einige Kilometer, so dass die Bomben weiter östlich abgeworfen wurden. Sie trafen den Südteil des Versuchsgeländes, aber auch Orte wie Karlshagen oder Peenemünde. Außerdem fielen viele Sprengkörper in die Ostsee vor Usedoms Küste.
Darin sehen einige Wissenschaftler ein enormes Gefahrenpotential für die Urlauber und die Einheimischen, wurden doch viele Phosphorbomben abgeworden. Durch die Verrottung der Hüllen der Sprengkörper kann es nun passieren, das das sogenannte Weißphosphor (Erklärung bei Wikipedia) ausgespült und an die Strände gelangt. Unglücklicherweise sehen diese Phosphorklumpen Bernsteinen sehr ähnlich und können irrtümlicher Weise mit eingesammelt werden. Weißphosphor besitzt die Eigenschaft, bei Luftkontakt zu brennen, so das Fälle von schweren Verbrennungen aufgetreten sind, in deren Fällen Phosphor mit Berstein verwechselt wurde.
Wie groß ist denn das Gefahrenpotential nun wirklich?
Die Gefahr geht vor allem von den Bomben aus, die wie oben beschrieben, nahe der Usedomer Küste ins Meer fielen und nicht detonierten.
Weitere Gefahren durch nach dem Krieg massenhaft versenkte Munition scheinen zunächst nicht so bedeutend zu sein.
Aufgrund der wenigen einzelnen Fälle und im Vergleich mit den jährlichen Todesfällen durch ertrinken wird von einer sehr geringen Gefahr ausgegangen.
Auf jeden Fall sollte die Lage bernsteinsammelnden Strandwanderern ruhig mal bewußt gemacht werden, das Problem sollte jedoch nicht gleich auf Krisenstabsebene angegangen werden.
Intensiv setzt man sich hier mit der Problematik auseinander (lesenswert!)






Kommentare
Jedes Phosphoropfer ist ein Opfer zu vie
Ich weiß wovon ich spreche. Meine Tochter hat im Alter von 6 Jahren einen solchen "Bernstein" am Usedomer Strand gefunden - ihre Brandnarben zeugen heute noch davon. Wer diese Problem verharmlost spielt nur den untätigen Behörden in die Tasche. Leider haben wir es damals nicht gewagt, Anzeige auf Schadensersatz und Schmerzensgeld zu stellen - ein anderes Opfer hat das aber getan und vor Gericht gewonnen !!!! Wir jedenfalls fahren nicht mehr nach Usedom in den Urlaub. Die Usedomer Behörden sind verantwortungslos wenn sie weiter untätig bleiben. Jedes neue Phosphoropfer ist ein Opfer zu viel !!!
Anfrage
Sehr geehrte Frau Meyer,
ich würde mich sehr freuen, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen, da ich ebenfalls gerade über Phosphor in der Ostsee recherchiere.
Phosphor am Ostseestrand
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin regelmäßig an der Ostsee zu Besuch und genieße die Strände dort. Sie haben großen Erholungs- und Entspannungswert für mich. Leider fehlen der Region dort viele Arbeitsplätze von den Tourismusfaktoren abgesehen. Meine Idee wäre die Einrichtung von Jobs für Strand-Guides, die Touristen auf die Gefahr von Phosphor aufmerksam machen und dabei im Bedarfsfall auch auf andere Regeln (Müll, Tiere, Camping, etc.) hinweisen. Die wenigen Schilder werden von den Touristen oft nicht wahrgenommen.
Wichtig ist dabei besonders der Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Ich hoffe, dass der Tourismus an der Ostsee weiter wächst und der Erholungswert der Ostseestrände und der gesamten Umgebung von Usedom erhalten bleibt.
MfG J. Happel
Eine gute Idee
Strand-Guides sind meiner Meinung nach eine gute Idee. Leider wird diese, wie auch viele andere, daran scheitern, dass das finanzielle Polster der Gemeinden nicht ausreicht, solche Arbeitskräfte zu bezahlen. Trotzdem ist die Idee eine Überlegung wert.
Ich wünsche Ihnen auch weiterhin viel Spaß bei künftigen Besuchen an der schönen Ostseeküste
Strandguides
zunächst einmal wäre der "Strandguide" auf Usedom wohl besser ein "Fremdenführer". Weiterhin kann ich als Gast ja wohl eine Reihe von Gegenleistungen für die Zahlung der Kurtaxe erwarten. Da will ich nicht jemanden haben, der mich belehrt und mir Regeln nennt, sondern der einfach mal wegräumt, wenn er etwas herumliegen sieht.
Wer Eisverkäufer in Elektroautos am Strand erlaubt, der ist mitverantwortlich für Müll (nach dem Verursachungsprinzip sollten die Eisverkäufer die Entsorgung übernehmen).
Geht man von den Übernachtungszahlen der Insel aus, kommt eine Millionensumme an Einnahmen für die Gemeinden heraus. Dann soll bitteschön für das Geld auch kurähnlicher Zustand am Strand herrschen.
Die Hochwasserschutzmaßnahmen werden nicht in dieser Höhe anfallen.
Strandguides = Phosphorsammler
Hallo,
wie hoch sind denn bitte die Kurtaxenbeiträge?
Es gibt schon Regeln die man als Urlauber und Gast zu befolgen hat, sei es Umweltschutz oder auch die gegenseitige Rücksichtnahme.
Wir sind ja nicht am Ballermann.
Jeder der ein Eis am Strand verzehrt, der kann auch sein Müll mitnehmen und in die Tonne werfen!
Oder sollten die Eisverkäufer das Phosphor wegsammeln?
Wenn das Verursacherprinzip in diesem Falle greifen sollte, dann müßten ja die Engländer das Phosphor absammeln, die haben die Bomben mit diesem Mist geworfen.
Ein Aufklärung in dieser Hinsicht (Phosphor / Bernstein) ist sehr, sehr wichtig.
MfG Jörg Stoltenberg
Die Gemeinden auf Usedom
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